Presseberichte

(rundschau) Schulkonsens ist in Reichweite

Von Ulrike Weinert, 08.03.12, 07:04h

Im Bildungsausschuss ist die Entscheidung gefallen und damit ist der wahrscheinlich endgültige Abschied von der Gesamtschule eingeläutet. Stattdessen soll in den baulichen Bestand der bestehenden Schulzentren investiert werden.

PULHEIM - Der Schulkonsens ist in Reichweite – nach zwei Jahren zähen Ringens und der Bildung eines Bildungsbeirats. Es war in erster Linie der Zeitdruck, der die Fraktionen im Bildungsausschuss zwang, zusammenzurücken; die Grünen und der Bürgerverein mit Zähneknirschen.

rundschau-schulkonsensEine Modellschule könnte am heutigen Standort der Hauptschule an der Escher Straße eingerichtet werden. (Foto: Rosenbaum)Leicht ist der wahrscheinlich endgültige Abschied von der Gesamtschule nicht gefallen. Der Beigeordnete Florian Herpel brachte noch einmal auf den Punkt, warum eine Gesamtschule in Pulheim kaum machbar ist: „Eine Gesamtschule kann nur mit eigener Oberstufe eingerichtet werden; die aber ginge zulasten der beiden Gymnasien, und die Einrichtung einer Gesamtschule würde einen Schulneubau erfordern, wofür kein Geld da ist.“ Stattdessen solle lieber in den baulichen Bestand in den Schulzentren an der Kastanienallee in Brauweiler und der Hackenbroicher Straße in Pulheim investiert werden.

 

Letztlich konnten sich auch die Sprecher der Elterninitiative „Pro Gesamtschule“ des Familiennetzwerkes Pulheim und der Überzeugungskraft von Holger Buckharts überarbeiteten Vorschlägen zur Entwicklung der Schullandschaft in Pulheim nicht entziehen. Erst im Januar 2012 hatte Bürgermeister Frank Keppeler den Pädagogik-Professor mit der Modellplanung einer Schullandschaft für Pulheim beauftragt, die bis 2015 neu gestaltet sein soll. „Sozial genial – fit für Europa“ hat Burckhart seinen Entwurf überschrieben und im Untertitel bereits das Ziel „Lernkarrieren für alle“ formuliert.

Der Anhänger der Reformpädagogik appellierte an die Ausschussmitglieder, in der Sitzung einen Beschluss zu fassen. Denn seine Darlegung beinhaltet die Einrichtung einer Reformschule, und wenn die Pulheimer nicht bald einen sogenannten Initiativantrag, eine Interessenbekundung an dieser Schulform, ans Land senden, könnte es schnell zu spät sein. Das Land genehmigt nur 15 dieser Versuchsschulen in NRW, und andere Kommunen, Köln zum Beispiel, sind laut Burckhart schon so weit, dass sie mit dem Vorhaben an die Öffentlichkeit gehen.

Dass die Hauptschule an der Escher Straße langfristig nicht zu halten ist, steht außer Frage. Am dortigen Standort, empfiehlt Burckhart, kann die Reformschule mit gemeinsamen Lernangeboten für aller Leistungsstärken der Jahrgangsstufen 1 bis 10 und einer Oberstufe, die zum Abitur führt, entstehen. Die Sekundarschule, die auf gemeinsames Lernen der Jahrgangsstufen 5 bis 10 ausgerichtet ist, soll in Brauweiler unter dem Dach der Arthur-Koepchen-Realschule eingerichtet werden. Dazu kommen soll ein Berufskolleg mit Schwerpunkt Wirtschaft und Technik. Kooperationen mit anderen Schulformen, besonders mit den Gymnasien, sind unerlässlich, vor allem an den Übergangsstellen der Klassen 5 und 6 sowie 9 und 10, wenn Weichen für die künftige Schullaufbahn gestellt oder Abschlüsse vergeben werden; für die Reformschule sind Zusammenarbeiten im Oberstufenbereich sogar zwingend.

Ursula Kellermann vom Kompetenzzentrum für sonderpädagogische Förderung und Susanne Goerke von der Elterninitiative „Gemeinsam lernen – gemeinsam leben“ begrüßten die Vorschläge. Beide sehen darin auch einen entscheidenden Schritt in Richtung Inklusion, der gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderung in allen gesellschaftlichen Bereichen.

Uneins blieben die Mitglieder des Bildungsausschusses über einen Fragebogen, der bald an Eltern von Kindern im vierten Grundschuljahr verteilt werden soll. Ob sie ihr Kind an einer Sekundarschule anmelden werden, wenn es sie ab dem Schuljahr 2013/2014 gäbe, und an welcher Schule sie ihr Kind anmelden wollen, wenn keine Sekundarschule eingerichtet wird, lauten die Fragen.

Dass die Gesamtschule als Alternative nicht aufgeführt ist, störten Grüne und Bürgerverein. Beide Fraktionen wollen die Elternbefragung abwarten, bevor sie den Auftrag geben, die vorgeschlagene Weiterentwicklung der Schullandschaft umzusetzen. CDU, SPD und FDP stimmten dafür. Einig waren sich die Ausschussmitglieder lediglich, dass wie von der SPD beantragt, nach einer großen zentralen Bürgerinformation im Köstersaal fünf kleinere Veranstaltungen in den Ortsteilen stattfinden sollen.

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