Presseberichte

(ksta) Wegweiser für die Schullandschaft

Von Maria Machnik, 07.03.12, 16:50h, aktualisiert 08.03.12, 13:06h

Am Standort Brauweiler soll eine Sekundarschule entstehen und an der Scher Straße eine Reformschule. Einem entsprechenden Konzept haben CDU, SPD und FDP am Dienstagabend im Ausschuss für Bildung, Kultur, Sport und Freizeit zugestimmt.

Pulheim - Die Schullandschaft in Pulheim soll sich grundlegend verändern. Einem zuvor in verschiedenen Gremien vorgestellten und mehrfach optimierten Konzept mit dem Titel „Schullandschaft 2012 - 2015 – Sozial genial – fit für Europa – Lernkarrieren für alle“ haben CDU, SPD und FDP am Dienstagabend im Ausschuss für Bildung, Kultur, Sport und Freizeit zugestimmt.

Zwei Kernpunkte sieht das Konzept vor, das Prof. Dr. Holger Burckhart, Bildungsforscher und Leiter der Uni Siegen ausgearbeitet hat. Geleitet von dem Gedanken, die Pulheimer Schullandschaft attraktiver zu gestalten, regt der Königsdorfer an, auf dem „Campus Abtei“ eine integrierte Sekundarschule (siehe Kasten) und am Abtei-Gymnasium einen Berufskollegzweig Technik/Wirtschaft einzurichten. Das heißt: Die Arthur-Koepchen-Realschule wird zur Sekundarschule, das Abtei-Gymnasium aber bleibt bestehen. Im Zentralort schlägt Burckhart vor, auf dem „Campus Escher Straße“ eine auf Inklusion ausgerichtete Reformschule nach Jenaer Plan (siehe Kasten) zu etablieren. Ziel der Inklusion ist es, das gemeinsame Leben und Lernen von Menschen mit und ohne Behinderungen als gesellschaftliche Normalform zu etablieren. Die Schulen am „Campus Pulheim-Mitte“ – gemeint sind die Marion-Dönhoff-Realschule und das Geschwister-Scholl-Gymnasium – sollen im Sinne des gemeinsamen Lernens noch intensiver kooperieren.

„Druck im Kessel“

Um sich „ein Meinungsbild zu erarbeiten“, hatte Holger Burckhart sein Konzept in den vergangenen Monaten zunächst einer „begrenzten Öffentlichkeit“ vorgestellt. Dazu gehörten die Leiter der weiterführenden Schulen, die Fraktionsvorsitzenden und der Bildungsbeirat. In dem Gremium sitzen unter anderem je ein Vertreter der Fraktionen, des Schul- und Jugendamtes, Dezernent Florian Herpel, Bürgermeister Frank Keppeler, Repräsentanten der Stadtschulleiterkonferenz, der Kindertagesstätten und des Vereins „Ganztag in Pulheim“. Der Beirat hatte das Papier in seiner Sitzung am 29. Februar begrüßt und alle Beteiligten gegebeten, das Papier umzusetzen. In der Sitzung am Dienstag betonte Ursula Kellermann, Leiterin der Förderschule Jahnstraße, dass die Stadtschulleiterkonferenz das Gesamtkonzept mittrage, es mit „Expertise und Erfahrung“ unterstützen werde und die Schulen ein Kooperationsmodell auf den Weg bringen wollten.

Will sich die Stadt die Chance erhalten, als eine von 15 Kommunen vom Land den Zuschlag für eine Reformschule zu erhalten, werde sie in den nächsten vier Wochen eine Interessenbekundung abgeben müssen, so Burckhart. „Da ist Druck im Kessel“, zehn Kommunen seien schon im Rennen. Für ein Antragsverfahren ist es außerdem zwingend nötig, dass die Schulkonferenzen der beteiligten Schulen „Ja“ sagen zu einer Sekundarschule beziehungsweise einer Reformschule.

Die Grünen und der Bürgerverein wollten das Paket zum jetzigen Zeitpunkt nur zur Kenntnis nehmen. Auch mit dem von der Verwaltung ausgearbeiteten Fragebogen waren Dr. Axel Nawrath (Grüne) und Beatrix Schröder (Bürgerverein), die beide dem Bildungsbeirat angehören, nicht einverstanden. „Die Befragung ist fokussiert auf die Sekundarschule“, doch müssten alle möglichen Schulformen abgefragt werden, auch die Gesamtschule, so Beatrix Schröder vom Bürgerverein,

Die Fraktionen stimmten aber zu, dass die Stadt an einem Antragsverfahren für eine Reformschule teilnimmt. Stimmen der Hauptausschuss und der Stadtrat am 13. und 27. März dem Papier zu, wird die Verwaltung die Eltern nach den Osterferien in mehreren Informationsrunden mit den angestrebten Veränderungen vertraut machen. Außerdem befragt sie die Eltern, die ihre Kinder bald auf einer weiterführenden Schule anmelden, welche Schulform sie für ihren Nachwuchs wünschen.

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